Rückblick auf vergangene Termine
Werden wir alle zu TagelöhnerInnen? Seine guten Kritiken hat der berührende Dokumentarfilm Der marktgerechte Mensch zu Recht. Wir haben ihn gemeinsam angeschaut und eifrig diskutiert.
Die Leistung des Films besteht darin, lohnabhängigen Menschen ihre Gemeinsamkeit der Lage klarzumachen: Überall, in allen Branchen, lösen sich soziale Sicherheitssysteme auf. War die neoliberale Wirtschaftspolitik der Auslöser, beschleunigt nun die Digitalisierung den Prozess noch einmal.
Prekäre Beschäftigungsverhältnisse ziehen sich durch alle Berufe, Schichten, Milieus. Immer öfter ist der Mensch auf sich allein gestellt und muss wie ein Tagelöhner zusehen, wie er das Geld für die nächste Miete zusammenbringt. Das betrifft den Professor mit drei Doktortiteln genauso wie Angestellte im Einzelhandel.
Der Film spannt einen weiten Bogen von prekären Beschäftigungsverhältnissen in Deutschland bis zu „Sweat Shops“ in Asien und Äthiopien, wo Näherinnen in Textilfabriken besonders krass ausgebeutet werden. Zu Wort kommen unterschiedlichste ArbeitnehmerInnen selbst und Mitarbeitende in NGOs wie Oxfam, die sich für die Einhaltung der Menschen- und Arbeitsrechte einsetzen.
Doch es werden auch Auswege aufgezeigt. Allem voran steht die Selbstorganisation. Mehrere Beispiele aus dem Bereich der Genossenschaften und der Gemeinwohlökonomie lassen auch hoffen, dass es möglich ist, durch eigenes Handeln nicht nur erfolgreich, sondern zugleich sozial und ökologisch zu wirtschaften.
Allein das Bewusstsein darüber, dass Korporation in jeder Hinsicht besser ist als Wettbewerb, muss wieder mehr in die Köpfe gelangen. Hirn- und Verhaltensforschung weisen klar darauf hin, dass die Fähigkeit zur Korporation nicht nur angeboren ist, sondern von Säuglingen eindeutig bevorzugt wird. Dass es anders läuft, wurde uns erst anerzogen.
Kurz, ein klasse Film, in dem sich wohl die meisten wiedererkennen werden.
Mitten in der feinen Hamburger Innenstadt leben viele Obdachlose. Wie sie dort zurechtkommen, zeigte uns ein beeindruckender Stadtrundgang mit „Hinz & Kunzt“. Unser Führer Chris erwies sich als humorvoll und erfahren. Seit fast fünf Jahren betreut er einen Großteil der über 400 Führungen, die Hinz & Kunzt pro Jahr ermöglicht. Chris kommt selbst von der Straße, wuchs in Recklinghausen auf und landete durch Zufall in Hamburg.
Was man bei dem Rundgang erlebt
Die Standorte schaut man sich immer nur von außen mit etwas Abstand an, um einem „Zoo-Effekt“ vorzubeugen. Die Privatsphäre der betroffenen Menschen soll gewahrt bleiben. Besucht haben wir das Drob Inn, wo Heroinabhängige kostenlos saubere Spritzen bekommen und sich unter ärztlicher Aufsicht einen Schuss setzen können (es gibt einen großen „Druck-Raum“ mit 16 Plätzen dafür).
Das Herz As ist eine Tagesstätte, in der es mittags eine warme Mahlzeit für 50 Cent gibt. Außerdem können Duschen und Toiletten genutzt werden. Wir besichtigten auch die Schließfächer von der Caritas wenige Schritte daneben (nur 24 Schließfächer für offiziell 2000 gemeldete Obdachlose in Hamburg). Hier dürfen sich die Menschen auch aufhalten, heißen Kaffee trinken oder die Toilette benutzen.
Abschluss der Führung war in der Zentralbibliothek, in der Obdachlose geduldet sind und sich aufwärmen, lesen (!) und auch die Toilette benutzen dürfen – solange sie sich unauffällig verhalten und nicht stinken.
Aus dem Kreis der NachDenkSeiten-LeserInnen waren wir zehn Personen. Die Begegnungen sind uns nahegegangen, und im Curiousa am Hansaplatz haben wir anschließend darüber diskutiert. Keine Frage, die Politik muss viel mehr gegen Obdachlosigkeit und Armut tun! Das führen einem die Erlebnisse drastisch vor Augen.
Wir können nur empfehlen, diesen Rundgang einmal mitzumachen. Die sogenannten „Hamburger Nebenschauplätze“ stehen in keinem Reiseführer, sie sind aber Teil der Realität. Um diese Realität zu verbessern, müssen wir hinschauen und dürfen nicht wegschauen.
Unser nächstes Treffen im Gesprächskreis der NachDenkSeiten-LeserInnen findet am Donnerstag, 27. Februar, statt. Neue Gesichter sind jederzeit herzlich willkommen!
Stopp Rüstungsexporte aus dem Hamburger Hafen! Johanna Zimmermann und Axel Richter stellten uns die im Aufbau befindliche Volksinitiative vor.
Johanna Zimmermann studiert an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW Hamburg) und ist dort Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA). Axel Richter leitet das KunstHaus am Schüberg (evangelisch-lutherischer Kirchenkreis Hamburg-Ost), das mit einem Schwerpunkt auf friedenskünstlerische Impulse ausrichtet ist.
Thematisch ging es in etwa um folgende Fragen: Welche Risiken und Gefahren gehen für HamburgerInnen durch den Umschlag von Rüstungsgütern im Hafen aus? Wie will eine Volksinitiative dagegenhalten? Was sind die Ansatzpunkte (juristisch, in der Öffentlichkeitsarbeit)?
Die Initiative wird u.a. unterstützt von: GEW Hamburg, Hamburger Forum für Frieden und Völkerverständigung, Hamburger Initiative gegen Rüstungsexporte, die LINKE Hamburg (AG Frieden), Lampedusa in Hamburg und Friedensinitiative Niendorf.
Einen komprimierten Überblick zu den Forderungen des Bündnisses vermittelt dieses Flugblatt_fuer_einen_zivilen_Hafen.
Wer ist und was will die Bewegungslinke? Zu Gast war Christoph Timann, Spitzenkandidat der Partei Die Linke im Wahlkreis Eppendorf-Winterhude bei der Bürgerschaftswahl 2020. Als Mitinitiator stellte Christoph uns das bundesweite Projekt vor und diskutierte mit uns über linke Politik.
Die Bewegungslinke ist eine neue Strömung innerhalb der Linkspartei, die der Parlamentisierung entgegenwirken will. Ob sie außerdem eine „soziale Bewegung“ sein soll (wie „Aufstehen“, „Gelbwesten“ oder „Fridays For Future“), ist noch nicht abschließend ausgearbeitet.
Wichtig: Auch Interessierte ohne Parteibuch können mitmachen! Die Gründungsversammlung ist am 14./15. Dezember 2019 in Berlin.
Und was will man nun erreichen? Dem Parlamentarismus entgegenwirken – dieses Ziel bedeutet erst einmal ganz allgemein, dass andere Themen im Vordergrund stehen sollen.
Bisher erarbeitete Schwerpunkte sollen z.B. linke Betriebsarbeit (etwa im Pflegesektor) und eine „verbindende Klassenpolitik“ sein. Denn: Die einstige „Arbeiterklasse“ bezeichnet sich selbst nicht mehr so. Der Begriff „Klasse“ umfasst imgrunde alle Lohnabhängigen. Diese „Verbindung“ soll folglich herausgestellt werden. Weitere Themen für Arbeitsgruppen und Öffentlichkeitsarbeit sind u.a. Klimapolitik und die zu hohen Mieten.
Noch ist die „Bewegungslinke“ in Gründung. Wer dabei sein will, hat jetzt die Chance, sich frühzeitig einzubringen.

Buchvorstellung mit anschl. Diskussion: NachDenkSeiten-Gründer Albrecht Müller im Gespräch mit Rainer Burchardt, Ex-Chefredakteur beim Deutschlandfunk.
Publizist und Hochschuldozent Rainer Burchardt interviewt Albrecht Müller zu dessen neuem Buch, das über Methoden der Meinungsmanipulation aufklärt: „Glaube wenig – Hinterfrage alles – Denke selbst“ lautet das Motto, um nicht auf Kampagnenjournalismus und Strategien von Denkfabriken hereinzufallen.
Nach dem Podiumsgespräch besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mitzudiskutieren. Im Anschluss an die Veranstaltung ist es möglich, sich das Buch von Albrecht Müller signieren zu lassen.
Ablauf
- 18:45 Uhr Einlass in den Saal
- 19:00 Uhr Beginn
- 20:45 Uhr Ende
- Bis 21:15 Uhr Signieren von Büchern im Foyer
Eintritt frei!
Die Veranstaltung ist kostenlos und selbstorganisiert. Um unsere Kosten für Saalmiete, Technik usw. zu decken, wären wir für eine kleine Spende sehr dankbar!
Stimmen zu dem Buch
Rainer Mausfeld: „Albrecht Müllers großes Verdient ist es, das System der meist unsichtbaren, oft sehr leisen, aber sehr wirkungsvollen politisch-medialen Manipulationen, die uns tagtäglich erreichen, sichtbar gemacht zu haben. Sein neuestes Buch ist daher ein wichtiger weiterer Beitrag, um diesen Manipulationen, die immer perfider und ausgeklügelter werden, nicht zu erliegen, sondern sie zu identifizieren als das, was sie sind: Herrschaftstechniken. Ein sehr wichtiges Kompendium für alle, die noch selber denken.“
Sahra Wagenknecht: „Er schildert in diesem Buch gängige Methoden der Manipulation sowie Fälle gelungener oder versuchter Meinungsmache und analysiert die dahinter stehenden Strategien.“
Norbert Häring: „Es ist ein sehr gut lesbares und zugängliches Buch über die Theorie und Praxis der Meinungslenkung. Wer sich damit noch nicht befasst hat, sollte seinen Konsum der üblichen Informationskanäle damit ergänzen, um weniger leicht interessengeleitete Botschaften für bare Münze zu nehmen, nur weil sie ständig und überall zu hören sind.“
Telepolis: „Müller beschreibt Fälle gelungener oder versuchter Meinungsmache und analysiert die dahintersteckenden Strategien.“
Kooperationspartner: Hamburger Forum, attac Hamburg, GEW.
