
Wie im Rausch – Medien im Ausnahmezustand
Der Blick eines Insiders auf eine Branche, die sich als Vierte Gewalt versteht.
Im Grundgesetz, Artikel 5, heißt es: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in
Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus
allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die
Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und
Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“
Die Pressefreiheit ist also ein hohes Gut. Aber, das ist die entscheidende
Frage: Wie geht die Presse mit diesem Gut um? Ist sie Vierte Gewalt? Hat
sie also tatsächlich Lust, hat sie die Kraft, hat sie überhaupt die Intention,
den Mächtigen, den Regierenden auf die Finger zu gucken? Auch mal
auf die Finger zu hauen? Sind die Medien gefährlich für die, sagen wir mal
ganz altmodisch: die Herrschenden? Oder sorgen sie dafür, dass die
herrschenden Gedanken die Gedanken der Herrschenden sind? Und es auch
bleiben?
Das alles sind Fragen, mit denen sich Arno Luik seit vielen Jahren
intensiv auseinandersetzt: einst als Chefredakteur der „taz“, dann als preisgekrönter Autor für den „Stern“,
heute als Buchautor und Kolumnist beim Hamburger Abendblatt.
Luik bekam vor genau einem Jahr die Diagnose Krebs. Danach fing er an, Tagebuch zu führen.
„Rauhnächte“ heißt das daraus entstandene Buch, in dem er seine Innenansichten, den Schrecken, die
Albträume, seine Sehnsucht nach Leben notiert. Aber in diesem Buch geht um viel mehr als das persönliche
Drama: um diese zerrissene, malträtierte Welt. Die so schön sein könnte, wenn, zum Beispiel, die Regierenden
nicht …
Der SZ-Autor Heribert Prantl über „Rauhnächte“: „Es sind die Tage und Nächte, in denen er um sein
Leben schreibt. Er tut das unerbittlich, aber nie peinlich, er tut das ohne Rücksicht auf seine Schwächen,
aber auch ohne Rücksicht auf seine Branche, die auch die meine ist – er tut das also ohne Rücksicht auf
den Journalismus von heute, den er für überwiegend angepasst und für feige hält. Es ist, als habe ihm die
Krankheit die Kraft zur Fundamentalkritik gegeben. (…) Luik ist einer, der gegen den Strom schwimmt
– ob es um die Finanzkrise oder den Ukrainekrieg geht. Wenn er zu letzterem, beispielsweise zur Zerstörung
der Pipeline Nord Stream II schreibt, wenn er dazu seine kritischen Fragen stellt, zitiert er Henry Kissinger:
„Ein Feind Amerikas zu sein, kann gefährlich sein, aber sein Freund zu sein, ist tödlich.“
An diesem Abend wird es nicht um Luiks Krankheit gehen. Er will sie vergessen, denn: Vor ein paar Tagen
bekam er die so unerwartete wie gute Nachricht, dass in seinem Körper keine Krebszellen mehr sind.
Es geht an diesem Abend um den Zustand von Politik und Medien – aus der Sicht eines Insiders. Der, so
Harald Welzer in seiner „Rauhnächte“-Besprechung, „seine Kraft daraus bezieht, dass hier einer schreibt,
der keine Rücksicht auf Befindlichkeiten mehr zu nehmen braucht. Und ganz ehrlich, sagt der Leser
Harald W., wie wunderbar, dass da mal jemand ungeschützt schreibt, ohne Rücksicht auf die Sagbarkeitsregeln,
die so überraschend schnell in Geltung gekommen sind.“
Freuen Sie sich also mit uns auf einen spannenden und unterhaltsamen Abend mit Arno Luik.
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Gespräche von „Deutschlands führendem Interviewer“ (taz, Peter Unfried) sind in mehr als 25 Sprachen
übersetzt worden, einige von ihnen sind in seinem Interview-Buch „Als die Mauer fiel, war ich in der Sauna“
nachzulesen (der Titel: ein Zitat von Angela Merkel). Wichtiges Thema für den mehrfach aus-gezeichneten
Journalisten Luik: Die Deutsche Bahn und Stuttgart 21. „Mit seinen Enthüllungen zu Stuttgart 21 hat er die
Protestbewegung gerüstet“, lobt der SWR. 20 Jahre lang hat Arno Luik gegen die Zerstörung der Deutschen
Bahn angeschrieben: erst gegen die geplante Privatisierung, dann gegen S21, schließlich mit seinem Bestseller
„Schaden in der Oberleitung“ gegen die Täter des allgemeinen Bahn-Desasters in Regierung und im
DB-Vorstand.
